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Was ist Übersäuerung?

Optimale Lebensmittel bei Übersäuerung.
Der Begriff Übersäuerung (Azidose) bezeichnet eine Abweichung vom normalen Säure-Basen-Haushalt. Eine Übersäuerung des Blutes ist lebensgefährlich. Die latente oder chronische Übersäuerung des Körpers gilt in der Alternativmedizin (Komplementärmedizin) als Ursache für viele Beschwerden und Symptome. Sport und eine Ernährungsveränderung können helfen.

Ständige Müdigkeit, Sodbrennen und saures Aufstoßen, Beschwerden im Rücken und in den Gelenken – viele Ratgeber führen jedes dieser Krankheitszeichen auf eine Übersäuerung des Körpers zurück. Obwohl schon vor über 100 Jahren geprägt, ist der Begriff Übersäuerung gerade hochaktuell. Welche Symptome und Ursachen man damit bezeichnet, ist jedoch höchst unterschiedlich.

Wir erklären Dir, welche Arten der Übersäuerung es in der Schul- und der Alternativmedizin gibt. Unsere Tipps und Infos wirken nicht nur einer möglichen Übersäuerung des Körpers entgegen – sie können auch Dein Wohlbefinden steigern.

Übersäuerung: Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt

Die Schulmedizin kennt den Begriff Azidose bzw. Alkalose in erster Line als akute Übersäuerung des Blutes. Menschliches Blut hat einen pH-Wert von 7,4 und darf nur um etwa 0,05 schwanken.1 Auslöser für eine akute Übersäuerung sind beispielsweise eine schlecht eingestellte (entgleiste) Diabetes mellitus, Nierenversagen, Atemprobleme, Schock und Herzstillstand.

Im Gegensatz dazu wird die latente oder chronische Übersäuerung als dauerhaftes Säure-Basen-Ungleichgewicht im Körper beschrieben, das nicht zu akuten Schockzuständen führt. Diese Art der Übersäuerung verschiebt den pH-Wert im Blut nur gering. Experten vermuten, dass einige Erkrankungen entstehen können, wenn der Säure-Basen-Haushalt chronisch unausgeglichen ist.

Symptome der chronischen Übersäuerung

Habe ich ein Zuviel an Säuren in meinem Säure-Basen-Stoffwechsel? Bin ich übersäuert? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, denn jeder Mensch ist anders und reagiert verschieden auf negative Einflüsse. Bestimmte Symptome werden einer chronischen Übersäuerung des Körpers zugeschrieben. Folgende Krankheitsanzeichen könnten darauf hinweisen, dass Du chronisch übersäuert bist:

  1. Mangelnde Belastbarkeit
    • Müdigkeit und Erschöpfung: Du fühlst Dich ständig müde und schlapp.
    • Innere Unruhe, Nervosität und Stressempfindlichkeit: Bereits geringe Stressfaktoren und leichter Zeitdruck machen dich nervös und zappelig.
    • Verringerte Leistungsfähigkeit: Aufgaben, die Dir früher leicht gefallen sind, wirken plötzlich anstrengend und schwer.
  2. Gewebe- und Hautprobleme
    • Bindegewebsschwäche (Cellulite): Wo früher knackige Rundungen waren, sind nun wabbelige Dellen.
    • Unreine Haut: Egal wie intensiv Du Dich pflegst, es entstehen immer wieder Rötungen und Pickel auf Deiner Haut.
  3. Beschwerden in Muskeln, Knochen und Gelenken
    • Rückenschmerzen und Nackenschmerzen: Nicht nur beim Bücken und Heben, auch beim Stehen und Gehen tut Dir der Rücken weh.
    • Gelenkschmerzen, Gelenkbeschwerden: Es zieht in den Gelenken.
    • Verspannungen: Dein Nacken ist steif und es ziept und spannt überall.
    • Rheuma wird von manchen Autoren zu den Anzeichen der Übersäuerung gezählt.

Mitunter gelten auch Wassereinlagerungen, Mundgeruch und ein nervöser Magen und Darm als Anzeichen für einen übersäuerten Körper. Einige der Anzeichen für Übersäuerung werden auch als Symptome einer Nahrungsmittelallergie Typ III genannt. Die Existenz dieser Allergie ist allerdings umstritten.

Übersäuerung: Magen

Unter dem Begriff „übersäuerter Magen“ versteht man häufig die Volkskrankheit Sodbrennen. Bei dieser unangenehmen Störung gehen die Beschwerden von einem unangenehmen Druck hinter dem Brustbein bis zum Aufsteigen von Magensäure in den Rachen und Mundraum. Säure-Basen-Experten sehen aber keinen Zusammenhang zwischen chronischer Übersäuerung und Sodbrennen: „Ein übersäuerter Magen ist nicht gleichbedeutend mit einem übersäuerten Organismus“, so Jürgen Vormann, einer der Vorreiter des Säure-Basen-Ansatzes.3

Oft ist auch nicht die Säure, sondern eine Muskelschwäche am Magenpförtner das Problem – so nennt man den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen. Diese Muskelschwäche kann angeboren, aber auch kurzfristig durch Reizstoffe wie Nikotin und Alkohol bedingt sein. Sogar gewebelockernde Schwangerschaftshormone können Deinen Magenpförtner schwächen und Säure nach oben befördern.

Übersäuerung – Gibt es das aber überhaupt?

Ist mein Körper übersäuert? Die chronische Übersäuerung oder chronische Azidose ist bisher nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, selbsttätig ein Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen herzustellen.

Ein gesunder Körper kann einen Überschuss an Säure über chemische Puffersysteme auffangen indem er überschüssige Säuren und Basen neutralisiert (Entsäuerung). Zudem verstoffwechselt er Säuren in der Leber und scheidet sie über die Nieren als Urin aus. Kohlendioxid wird ohne besondere Atemtechnik je nach Bedarf vermehrt oder vermindert über die Atemluft abgegeben, so dass die Säure-Basen-Balance bestehen bleibt.

Dieser grundlegenden Funktion können jedoch genetische Veranlagungen entgegenstehen, die oft erst bei Ausbruch einer Krankheit erkannt werden.

Beispielsweise ist die Veranlagung zu erhöhten Harnsäure-Werten im Blut (Hyperurikämie) oft erblich bedingt und kann bei normaler Ernährungsweise auftreten.4 Essen die Betroffenen zusätzlich besonders fettreich, viel Fleisch und/oder trinken regelmäßig Alkohol, so steigt der Harnsäurespiegel. Dann können sich aus der Säure Kristalle bilden und in den Gelenken ablagern. Es kommt zum Ausbruch der Krankheit Gicht. Durch purinarme und basische Diät, Bewegung und Medikamente baut der Körper die Säure-Kristalle ab und die Harnsäurewerte werden wieder normal.

Auch Unverträglichkeiten und eine ungünstige Darmbakterien-Kombination könnten dazu führen, dass der Körper Nährstoffe nicht richtig aufspalten und aufnehmen kann.

Was kann man gegen „Übersäuerung“ tun?

Die wichtigsten Elemente zum Ausgleich des Säure-Basen-Gleichgewichts sind:

  • eine gesunde Lebensweise
  • ausreichend Bewegung an der frischen Luft
  • ausgewogenes Ernährungskonzept mit großem Gemüseanteil und geringem Zuckeranteil

Ob man also vom Konzept der latenten Übersäuerung überzeugt ist oder noch auf ausreichende Belege wartet – mit gesundem Augenmaß angewandt, profitiert jeder von den Tipps gegen latente oder chronische Übersäuerung. Wer gesund abnehmen möchte, macht mit den Ernährungstipps bei Übersäuerung ebenso nichts falsch.

Natürlich solltest Du bei bestehenden oder vermuteten Grunderkrankungen oder Verarbeitungsstörungen Rücksprache mit Deinem Arzt halten.

Ernährungsweise bei Übersäuerung

In der Alternativmedizin wird die Meinung vertreten, dass die säurebildenden Lebensmittel – hierzu zählen Zucker, helle Backwaren, Lebensmittel tierischen Ursprungs (Eier, Fleisch), Alkohol, schwarzer Tee, Sojaprodukte – den Übersäuerungshaushalt aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Als Lösung zum Neutralisieren wird eine basische Ernährung empfohlen. Dazu brauchst Du keine Nahrungsergänzungsmittel – Obst, die meisten Gemüsesorten und viele Getränke wirken basisch und enthalten wertvolle Mineralstoffe. Die richtigen Mahlzeiten und ausreichendes Trinken unterstützen Deinen Körper beim Ausgleichen der Säuren.

Ursache der Übersäuerung beseitigen

Die Komplementärmediziner haben weitere Ursachen für Übersäuerung ausgemacht. Beispielsweise wird Rauchen als Ursache für die Azidose angesehen. Denn Rauchen verringert die Lungenfunktion. Und mit geschwächter Lunge kannst Du saures Kohlendioxid schlechter abatmen.5 Noch ein Grund, das Rauchen zu reduzieren und vielleicht sogar aufzugeben.

Ein weiterer Faktor für eine Übersäuerung des Körpers ist Dauerstress. Die vermehrte Ausschüttung von Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin bei Stress wirkt sich auch auf Deine Atmung, die Durchblutung und das Verdauungssystem aus. Im alternativmedizinischen Modell bedeutet das: zu viel Säure, die nicht ausgeglichen und weggeatmet werden kann.

Bewegen gegen Übersäuerung

Oftmals wird auch mangelnde Fitness als Ursache für Übersäuerung angeführt. Auch hier gilt, dass die Empfehlung zu mehr Bewegung auf jeden Fall dem Organismus und somit der Gesundheit des Körpers zuträglich ist – sie senkt den Blutdruck, fördert die Konzentration, beugt Schlafmangel und Depression sowie zahlreichen anderen Erkrankungen vor. Und natürlich hilft Dir sportliche Betätigung dabei, die Elastizität im Bindegewebe zu erhalten – denn auch diese soll unter Übersäuerung zurückgehen.

Tipps der gesund&ich-Redaktion

Hast Du Bedenken, dass Dein Körper übersäuert ist? Dann können Dir unsere Tipps helfen, Deinen Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen:

  • Ausreichend trinken – vor allem gesunde Getränke! Empfohlen werden etwa 1,5 Liter für Erwachsene; maßgeblich ist hier das eigene Durstgefühl.
  • Viel Gemüse und Obst zu sich nehmen – es sollte ohnehin wesentlicher Bestandteil Deines Speiseplans sein.
  • Für Bewegen und Sport sorgen. Achte darauf, dass die Sportart zu Dir passt. Dann fällt Dir das Durchhalten leichter.
  • Rechtzeitig abschalten und Stress vermeiden! Dadurch wird vieles einfacher – von der Arbeit bis zum Umgang mit den Mitmenschen.
  • Entspannungsmethoden wie Yoga-Übungen, Meditation oder progressive Muskelentspannung lernen und beherrschen! So wirst Du weniger gestresst und somit gesünder durchs Leben gehen.
  • Ein Basenbad kann Dir beim Entspannen helfen.

Wie bereits erwähnt, ist nicht belegt, dass tiefes und bewusstes Atmen den Körper effektiv beim Abbau von saurem Kohlendioxid unterstützt. Wenn Du aber das Gefühl hast, dass Dir bewusstes Atmen gut tut, so kannst Du Achtsamkeitsübungen in Deinen Alltag einbauen. Atemtechnik gehört zu den wichtigsten Elementen dieser Übungen. Obendrein lernst Du dabei, bewusst im Hier und Jetzt zu leben und weniger zu grübeln.

Quellen:
1Manz, F.: History of nutrition and acid-base physiology. Eur J Nutr 2001;40:189-199
2Kraske, E.-M.: Säure-Basen-Balance: Der Schlüssel zu mehr Wohlbefinden. München 2013.
3Vormann, J.: Säure-Basen-Kochbuch: Jeden Tag basisch genießen. 7. Auflage. München 2015.
4Lehnert, H. (Hrsg.): Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. 4. Auflage. Stuttgart, New York. 2014
5Tepperwein, K.: Jungbrunnen Entsäuerung: Wohlbefinden rundum durch ein harmonisches Säure-Basen-Verhältnis. 5. Auflage. München 2001.

 

Wichtig: Das Lesen dieses Artikels ersetzt keinen Arztbesuch und unsere Ratschläge stellen keine medizinische Beratung oder Diagnose dar.


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