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Welche Wirkung haben Parabene in Kosmetik?

Sind Parabene in Kosmetik, z. B. bei Gesichtspflege, gesundheitsschädlich?
Sind Parabene in Kosmetik gesundheitsschädlich? Parabene sind miteinander in Verbindung stehende Chemikalien, die bei Kosmetika, Duschgels, Deos und Bodylotion als Konservierungsmittel verwendet werden. Sie sorgen dafür, dass die Produkte haltbarer gemacht werden und verhindern die Entstehung schädlicher Bakterien und Keime. Stehen Parabene in Kosmetik zurecht in der Kritik?1


Was genau sind Parabene?

Parabene sind Ester der para-Hydroxybenzoesäure mit antimikrobieller Wirkung. Sie sorgen dafür, dass Kosmetika frei von Krankheitserregern bleiben und machen Shampoos und Co. haltbarer. Parabene, die am häufigsten in kosmetischen Produkten verwendet werden sind Methyl- und Ethylparaben sowie Butyl- und Propylparaben. In der Regel enthalten Kosmetikartikel wie Cremes mehr als ein Paraben sowie viele weitere Stoffe und Substanzen, die gegen eine Vielzahl an Mikroorganism schützen.1

Sind Parabene in Kosmetik gefährlich?

Als man im Jahre 2004 Parabene in Brusttumoren fand, wuchs die Sorge um die Risiken bei der Verwendung von Parabenen in Kosmetika, vor allem bei Deodorants. Der unabhängige Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) der Europäischen Kommission kam 2005 zu dem Ergebnis, dass das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, aufgrund der Verwendung parabenhaltiger Deos nicht erhöht sei.2

Weiter stehen Parabene in Kosmetikartikeln in der Kritik, da einige von ihnen auf das Hormonsystem Einfluss haben und dem weiblichen Hormon Östrogen sehr ähnlich sind. Dies könnte besonders gefährlich für Frauen sein, die bereits an Brustkrebs erkrankten, da hormonell wirkende Stoffe eine erneute Erkrankung fördern könnten. In Tierversuchen fand man heraus, dass Parabene hormonell wirken können, jedoch tausend- oder millionenfach schwächer als natürliche Hormone. In einem Infoblatt der EU aus dem Jahre 2011 wird darauf hingewiesen, dass andere Untersuchungen kein abschließendes Ergebnis bezüglich der Aufnahme von Östrogen über die Haut lieferten oder diese mangelhaft durchgeführt wurden, sodass die Ergebnisse nicht zuverlässig auswertbar sind und negative Einflüsse, ausgehend von Parabenen, nicht bestätigt werden können.3

Welche Parabene sind in Kosmetika erlaubt?

Der Anteil an Parabenen in einem Kosmetikprodukt in der EU darf bis zu 8 Gramm pro Kilogramm betragen. Eine einzelne Parabensorte darf höchstens in einer Konzentration von 4 Gramm pro Kilogramm vorkommen. Der SCCS bestätigt, dass diese Mengen bei den kurzkettigen Parabenmolekülen Methyl- und Ethylparaben unbedenklich sind.

Für die langkettigen Parabenmoleküle Propylparaben sowie Butylparaben wird eine maximale Konzentration von 1,9 Gramm pro Kilogramm empfohlen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schätzt die genannten Konzentrationen ebenfalls als sicher ein. Diese beiden Konservierungsstoffe dürfen bei nicht abzuspülenden Produkten, die für Kinder unter 3 Jahren für den Windelbereich bestimmt sind, nicht mehr eingesetzt werden. Außerdem sind die Sorten Isopropylparaben, Isobutylparaben, Phenylparaben, Benzylparaben und Pentylparaben seit Oktober 2014 verboten, da zu wenige Informationen vorliegen, um das Risiko diese Parabene in Kosmetik einschätzen zu können.4

Der Grund für die Festsetzung eines niedrigen Limits bei Butyl- und Probylparaben durch das BfR liegt an den kontroversen Ergebnissen, die In-vivo-Studien an Ratten und Mäusen ergeben haben.5 Laut einer im Jahr 1998 durchgeführten Studie reagierten weibliche Ratten auf Butylparabene mit einer Erhöhung des Uterusgewichtes.6 Bei männlichen Ratten hingegen verringerte sich die Bildung von Testosteron sowie die der Spermien.7

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2008 wiederum kam zu dem Ergebnis, dass es bei Parabenen dieser Sorte keinerlei negative Auswirkungen auf das männliche Fortpflanzungssystem gibt.8

Aus dem Informationsblatt der EU geht zudem hervor, dass vor allem bei Babys unter 6 Monaten weitere Untersuchungen durchgeführt werden sollten, um eine mögliche Gesundheitsgefahr bei der Verwendung parabenhaltiger Kosmetikprodukte ausschließen zu können.3

Wie erkenne ich Parabene in Kosmetik?

Wenn Du wissen möchtest, welche Arten von Konservierungsmittel in Deinem kosmetischen Produkt enthalten sind, prüfst Du am besten die Liste der Inhaltsstoffe. Zu den Parabenen zählen Methyl-, Butyl-, Propyl- und Ethylparaben. Du kannst über den ToxFox der Website des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.) mögliche gefährliche Stoffe in Deiner Kosmetika direkt checken oder Dir die ToxFox-App für iOS oder Android herunterladen.

Parabene in Kosmetik: Ja oder nein?

Es gibt keine klare Aussage darüber, ob Parabene in Kosmetik durch die Aufnahme über die Haut langfristig unserer Gesundheit schaden könnten. Das Problem hierbei ist, dass es sehr viele unterschiedliche Arten von Parabenen gibt, die in verschiedenen Artikeln in variierenden Mengen enthalten sind. Hinzu kommen parabenhaltige Lebensmittel sowie weitere Konservierungsstoffe und Chemikalien, die wir über die Nahrung und Körperpflege aufnehmen. Unser Körper ist einem Cocktail aus Stoffen ausgesetzt und es ist unklar, inwiefern diese Mischung den Einzelnen beeinflusst und ob diese langfristig gefährlich für unseren Körper sein und unser Hormonsystem schädigen kann.

Wenn Du Parabene meiden möchtest, solltest Du auf die Inhaltsstoffe Deiner Kosmetika und Pflegeprodukte achten und auf parabenfreie oder kontrollierte Naturkosmetik, welche auf natürlichen Rohstoffen basiert, zurückgreifen. Du musst Dir allerdings darüber im Klaren sein, dass dafür andere Konservierungsmittel anstelle von Paraben verwendet werden, z. B. Methylisothiazolinon, welches allergische Reaktionen hervorrufen kann. Methylisothiazolinon darf beispielsweise in Cremes und Pflegeprodukten, die nicht mehr abzuwaschen sind, aufgrund allergischer Reaktionen der Haut nicht mehr verwendet werden. In Shampoos und auswaschbaren Produkten dürfen Substanzen dieser Art nur noch einen Anteil von 0,01 % enthalten.9

Die langfristige Wirkung auf unseren Körper ist bei den übrigen Konservierungsstoffen ebenso unerforscht. Und ohne Konservierungsstoffe wäre die Haltbarkeit von Cremes und Duschgels stark verkürzt und ein Schutz vor Keimbefall wäre nicht mehr gegeben. Ob parabenfrei also derzeit zu empfehlen ist oder nicht, bleibt bei der aktuellen Studienlage fraglich.

Quellen:
1 Parabens in Cosmetics. Abgerufen am 30.05.2017 auf fda.gov.
2 Scientific Committee on Consumer Safety SCCS. Opinion on Parabens. Abgerufen am 30.05.2017 auf ec.europa.eu.
3 Scientific Committee on Consumer Safety SCCS. Parabens used in cosmetics. Abgerufen am 30.05.2017 auf ec.europa.eu.
4 Europäische Kommission. Pressemitteilung. Verbraucher: Kommission verbessert Sicherheit von Kosmetika. Abgerufen am 30.05.2017 auf europa.eu.
5 Verwendung von Parabenen in kosmetischen Mitteln. Stellungnahme Nr. 009/2011 des BfR vom 28. Januar 2011. Abgerufen am 30.10.2017 auf bfr.bund.de.
6 Routledge, E. et al: Some Alkyl Hydroxy Benzoate Preservatives (Parabens) Are Estrogenic. Abgerufen am 30.10.2017 auf sciencedirect.com.
7 Oshi, S.: Effects of propyl paraben on the male reproductive system. Abgerufen am 30.10.2017 auf sciencedirect.com.
8 Hoberman, A. M. et al: Lack of effect of butylparaben and methylparaben on the reproductive system in male rats. Abgerufen am 30.10.2017 auf onlinelibrary.wiley.com.
9 VERORDNUNG (EU) 2016/1198 DER KOMMISSION vom 22. Juli 2016 zur Änderung von Anhang V der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über kosmetische Mittel Stellungnahme Nr. 009/2011 des BfR vom 28. Januar 2011. Abgerufen am 30.10.2017 auf eur-lex.europa.eu.


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