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Elektrosmog – Was ist dran?

Die Belastung durch elektromagnetische Strahlung nennt man Elektrosmog.
Der Begriff Elektrosmog steht umgangssprachlich für die Belastung des Menschen durch elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder. Elektrische Spannungen führen zu elektrischen Feldern. Überall dort, wo elektrischer Strom fließt, enstehen Magnetfelder.

Unsere Erde ist selbst ein riesiger Magnet. Elektrische und magnetische Felder stehen in einer engen Beziehung zueinander, das heißt eines entsteht aus dem anderen. Daher spricht man auch von elektromagnetischen Feldern.1 Wir sind umringt von elektrischen Geräten. Handy, Mikrowelle, Waschmaschine – elektronische Gebrauchsgegenstände sind kaum mehr wegzudenken von unserem Alltag. Seit Jahren wird nun darüber diskutiert, ob der unsichtbare Nebel wirklich schädlich für uns ist. Was ist wirklich dran an der Angst vor Elektrosmog?

Was ist Elektrosmog?

Es gibt 2 verschiedene Arten elektromagnetischer Strahlung. Die ionisierende Strahlung von Röntgenlicht oder Gammastrahlen hat hohe Frequenzen. Sie kann Krebs verursachen und ist bekanntermaßen gesundheitsschädlich.

Die nicht ionisierende Strahlung ist die Strahlung, die gemeint ist, wenn von Elektrosmog gesprochen wird. Sie geht von Handys, Bluetooth, WLAN oder von elektrischen und magnetischen Feldern in der Nähe von Hochspannungsleitungen aus. Hier wiederum wird unterschieden zwischen hochfrequenter Strahlung, dazu zählt die WLAN-Strahlung oder die des Handys und Bluetooth, und der niederfrequenten Strahlung des Wechselstroms.1,2

Seit dem Jahre 1997 gibt es die sogenannte Elektrosmog-Verordnung, bei der Strahlengrenzwerte festgelegt wurden, welche als gesundheitlich unbedenklich gelten. Die Werte wurden 2013 an die neueren Technologien angepasst.3

Welche Wirkung hat Elektrosmog?

Inwiefern die elektromagnetische Strahlung unter dem festgesetzten Grenzwert gesundheitsschädlich ist, konnte bisher wissenschaftlich nicht eindeutig belegt werden. Es wird jedoch immer mehr darüber diskutiert, ob Elektrosmog unsere Gesundheit negativ beeinflusst und krank machen kann. Man geht davon aus, dass die Beeinträchtigung, die durch diese Felder ausgeht, von verschiedenen Faktoren abhängig ist: Handelt es sich um ein elektrisches, magnetische oder elektromagnetisches Feld? Wie hoch ist die Feldstärke? Wie weit ist die Entfernung zur Feldquelle? Wie oft und wie lange ist man der Strahlung ausgesetzt?4

Verlässliche Ergebnisse zu den genannten Faktoren gibt es nicht, jedoch soll Elektrosmog sowohl physische als auch psychische Beschwerden und Krankheiten auslösen. Dazu zählen Hautkribbeln, Haarknistern, Herzrhythmusstörungen, Depressionen, Gewebereizungen, Nervosität, beschleunigtes Knochenwachstum und Krebs. Elektrosmog soll sich außerdem negativ auf Hirnströme, zelluläre Prozesse und die Immunabwehr auswirken.

Was haben Hormone mit Elektrosmog zu tun?

Forscher, die sich mit dem Thema Elektrosmog auseinandersetzten, wollen herausgefunden haben, dass elektromagnetische Strahlung die Produktion des Hormons Melatonin hemmt. Dieses wichtige Hormon, welches hauptsächlich beim Schlafen produziert wird, kann Müdigkeit, Schlafstörungen, Abgespanntheit, Depressionen vorbeugen und man geht davon aus, dass es krebsverhütend wirkt. Daher solle man sich vor allem beim Schlafen von elektrischen Quellen fernhalten.1

Elektrosensibel – Was ist das?

Es gibt Menschen, die sensibel auf elektromagnetische Felder reagieren. Sie führen Symptome wie Unwohlsein, Kopfschmerzen und Schlafstörungen auf die sogenannte Elektrosensibilität zurück. Auch Herzrasen, Panikattacken, Bluthochdruck und Durchfall zählen zu den möglichen Beschwerden. In Deutschland geben 2 % der Bevölkerung an, elektrosensibel zu sein.

Studien zufolge besteht kein Zusammenhang zwischen elektromagnetischer Strahlung und den Beschwerden, die bei elektrosensiblen Menschen beschrieben werden.4

Was wird durch Studien belegt?

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Studien, die die negative Beeinträchtigung von elektromagnetischen Feldern sowohl nachweisen als auch widerlegen. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Wirkung von Elektrosmog in Verbindung mit anderen Faktoren, z. B. Rauchen oder ungesunder Ernährung, gesundheitsschädlich oder gar krebserregend ist.

Eine prospektive Kohortenstudie der „Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine“ aus dem Jahre 2011 ergab, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft erhöhter elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt waren, dreimal häufiger an Asthma erkrankten.5

Aus einigen Reviews der WHO (World Health Organization) aus dem Jahre 2003 ging hervor, dass elektromagnetische Strahlung bei Einhaltung der Grenzwerte anscheinend nicht gesundheitsschädlich ist. Allerdings wird angemerkt, dass auf es auf dem Gebiet weiterer Forschung bedarf.6

Von einigen Seiten wird gemutmaßt, dass elektromagnetische Felder Tumore oder Alzheimer verursachen könnten. Die Anzahl an Tumorerkrankungen hat sich seit der Einführung von Mobiltelefonen nicht erhöht. Auch ein erhöhtes Alzheimer-Risiko konnte nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Eine Studie aus dem Jahre 2015 von Prof. Dr. Lerchl von der Jacobs University Bremen soll jedoch das beschleunigte Wachstums eines Hirntumors belegen.7

Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse sämtlicher Studien zu Elektrosmog ist problematisch, da entweder die Zahl der Fälle zu niedrig ist, um Rückschlüsse zu ziehen, oder weil andere Faktoren als Ursachen nicht ausgeschlossen werden können.

Zuverlässig belegen kann man bisher nur den thermischen Effekt von elektromagnetischer Strahlung, beipielsweise wenn man lange mit dem Handy telefoniert und sich das Ohr erwärmt. Gesundheitsschädlich ist dieser Effekt nicht auf dem Strahlenniveau, dem wir ausgesetzt sind, nicht.

Wie kann ich mich vor Elektrosmog schützen?

Der Rat der Europäischen Union hat im Jahr 1999 eine Empfehlung zum Schutz der Bevölkerung bei Einwirken elektromagnetischer Felder verabschiedet. Als Referenzwerte für beispielsweise die Stromversorgung (50 Hertz) wurden für elektrische Felder 5 Kilovolt pro Meter (5 kV/m) festgelegt, für magnetische Felder 100 Mikrotesla (100 µT). Doch wie kann man sich zusätzlich schützen?

Wie kann ich Elektrosmog vermeiden?

Wenn Du Dir unsicher bist, ob elektromagnetische Strahlen schädlich sind und Dich zusätzlich schützen möchtest, kannst Du weitere Maßnahmen ergreifen.

Abstand halten
Am besten, Du hältst Dich so weit wie möglich von der Strahlenquelle entfernt, um die Strahlenexposition zu verringern. Also nicht mit dem Handy neben dem Kopf oder direkt neben Elektrogeräten im Stand-by Modus schlafen.
Stecker ziehen
Du solltest die Geräte wann immer es möglich ist vom Stromnetz trennen. Also bei Elektrogeräten wie dem Fön, dem Mixer oder der Flimmerkiste immer den Stecker ziehen. Das verringert den Smog ebenfalls.
Handy ausschalten
Das Handy nicht mit ins Schlafzimmer nehmen. Am besten, Du schaltest es nachts aus, wenn Du nicht erreichbar sein musst. Das verringert die hochfrequente Strahlung zumindest zeitweise. Verabschiede Dich für eine Zeit lang vom Online-Leben mit Computer, Handy und Co.
Auf elektrische Beleuchtung verzichten
Versuche, mit weniger elektrischem Licht auszukommen. Benötigst Du wirklich das Licht aller Lampen im Zimmer oder würde eine Lichtquelle ausreichen? Statt elektrischem Licht können Kerzen vielleicht auch für eine stimmungsvolle Beleuchtung sorgen.

Was schirmt Elektrosmog ab?

Mittlerweile gibt es außerdem sogenannte Strahlenschutzhauben oder Unterlagen für das Bett. Diese sind mit einer dünnen Metallschicht ausgestattet, die die elektromagnetischen Strahlen abschirmen sollen.

Es gibt Hersteller, die spezielle Abschirmfarbe, auch Graphitfarbe genannt, für Wände anbieten, welche vor dem Tapezieren oder Streichen angebracht wird. Sie soll Elektrosmog von außen abhalten. Auch Elektrosmog-Schutzgitter oder Abschirmfolie für die Fenster sollen die Wellen fernhalten.

Im Handel sind nun außerdem strahlungsarme schnurlose Telefone erhältlich. Zudem gibt es Aufsätze oder Chips für Handys, die die Strahlung verringern sollen. Deren Wirkung ist jedoch sehr umstritten.

Kann ich Elektrosmog messen?

Im Baumarkt gibt es spezielle Elektrosmog-Messgeräte, die die Strahlungintensität in den eigenen 4 Wänden ermitteln sollen. Einige von ihnen können, laut Herstellerangaben, sowohl niederfrequente als auch hochfrequente Strahlen erfassen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt solche Geräte nicht, da die Strahlenquellen nicht genau identifiziert werden können und ein angezeigter Strahlenalarm nur unnötig für Verunsicherung sorgt.  Stattdessen rät die Verbraucherzentrale dazu, ein qualifiziertes Institut zu beauftragen, welches in der Lage ist, elektromagnetische Felder korrekt zu messen und zuzuordnen und in der Lage ist, fachmännische Empfehlungen für einen angemessenen Schutz zu erteilen.

Wie mit Elektrosmog umgehen?

Die aktuelle Studienlage erlaubt es nicht, eine eindeutige Stellung zu der Wirkung von Elektrosmog zu beziehen. Ob elektromagnetische Felder langfristige gesundheitliche Folgen nach sich ziehen, kann derzeit noch nicht beurteilt werden. Feststeht, dass Strahlung oberhalb der gesetzten Grenzwerte gesundheitsschädlich ist. Daher ist es ratsam, dem Thema offen gegenüberzustehen und weitere Studienergebnisse abzuwarten.

In der Zwischenzeit machst Du nichts falsch, wenn Du elektromagnetische Felder in Deiner Umgebung reduzierst und Elektrogeräte aller Art immer wenn möglich vom Stromnetz trennst. Sollte sich herausstellen, dass die Angst vor Elektrosmog unbegründet war, so hatten die Vorsichtsmaßnahmen doch einen positiven Effekt: Du hast Energie gespart.

Quellen:
1 Neitzke, H.-P. et al: Risiko Elektrosmog?: Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf Gesundheit und Umwelt. 1. Auflage. Basel 1994.
2 Seewald, M.: Der Elektrosmog – Die neue Gefahr unserer Zeit: Welcher Strahlenexposition sind wir ausgesetzt, ihre Wirkung auf den Menschen und wie man sich davor schützt (Schädliche Umwelteinflüsse). 1. Auflage. 2017.
3 Grenzwerte für hochfrequente Felder. Abgerufen am 31.03.2017 auf www.bfs.de.
4 Müller, B.: Elektrosmog: Felder reduzieren, Energie sparen, Entspannt leben. 1. Auflage. Berlin 2015.

5 Li DK et al: Maternal exposure to magnetic fields during pregnancy in relation to the risk of asthma in offspring. Arch Pediatr Adolesc Med. Vol. 165, Issue 10, p. 945-50. 2011.
6 Repacholi, M.H.: An Overview of WHO’s EMF Project and the Health Effects of EMF Exposure. Proceedings of the International Conference on Non-Ionizing Radiation at UNITEN (ICNIR 2003) Electromagnetic Fields and Our Health, 20th –22nd October. 2003.
7 Lerchl, A. et al: Tumor promotion by exposure to radiofrequency electromagnetic fields below exposure limits for humans. Biochemical and Biophysical Research Communications. Volume 459, Issue 4. Pages 585-590. 2015.


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